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Die Alten lösen sich auf

  • Autorenbild: Sylvie Bantle
    Sylvie Bantle
  • 21. März 2025
  • 1 Min. Lesezeit


(Ausschnitt aus »Lieber blind als sehend«, gelesen am 10.Juli06 bei VS-Slam)


Sepia steht am Fenster und beobachtet eine alte Dame, die vergeblich mit

ihrem Handtäschchen vor der geschlossenen Glastür des Supermarktes steht

und nervös auf der Stelle hin und her tritt, weil sich die automatische Tür

nicht öffnet. Eine moderne Tür ist heutzutage aus Glas, und weil sie

automatisch auf- und zugeht, sind Türgriffe über üssig geworden. Das

bereitet der alten Dame Schwierigkeiten. Ihr ganzes Leben lang hat sie Türen

mit ihren Händen an Griff und Klinke geöffnet und geschlossen. Sie weiß

zwar, dass diese neuen, modernen Türen nun voll automatisch funktionieren,

aber irgendwie will es mit der Kommunikation zwischen der automatisierten

Tür und ihr nicht klappen. Es ist wie verhext, als würde das kleine rote Auge

über dem Türrahmen keinen Impuls von ihrer Existenz empfangen.

…Was muss das für ein Gefühl sein? denkt Sepia, Man ist noch voll da,

aber die Umwelt nimmt einen nicht mehr wahr…

Tief in ihrem Innern polternde Panik. In ihren Ohren Stille.

Die alte Dame starrt vergeblich auf die geschlossene Glastür, will hinein,

um ihr Essen einzukaufen. Sie trippelt nach vorn, seitlich, nichts regt sich.

Schließlich kommt ein kleiner dicker Junge vorbei, der das Malheur erkennt,

fuchtelt ein paar mal mit den Armen über dem Hütchen der Oma und schon

öffnet sich die Tür.

Sepia beobachtet gebannt, was vor dem Fenster alles geschieht, während

ihr Gedanken uss bereits neue Wege einschlägt.

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